ja, da war ich wieder einmal im ziegel oh lac, und wie es sich gehört, werden bei bester aussicht philosophische gespräche geführt. zwei männer sitzen beieinander, der eine noch keine dreissig, der andere wohl kurz vor der pensionierung. markantes kinn bei beiden, kurzgeschorene haare genauso wie ein blaukarriertes hemd. nach kurzem zögern horche ich auf.
sagt der ältere zum jüngeren: ich möchte jetzt gar nicht frauenfeindlich tönen, so ist das nicht gemeint, aber man kann eben nicht alles haben, kinder und karriere, das leben ist kein schoggi essen. und auch wenn die natalie ein einzelkind war, es ist eben doch ein beachtlicher mehraufwand mit einem kind zu hause. da habe ich schon geschaut, dass ich abends mit ihr einwenig zeit verbracht habe, um dann halt später in der nacht noch zu arbeiten.
darauf entegnet der jüngere: es ist schon so, dass dreissig, vierzig prozent arbeiten für die frau in frage kommen, so kleine arbeiten. aber alles andere ist gar nicht möglich. da würden die kinder ja verwahrlosen. darauf der ältere: und man muss eben schon sagen, die meisten frauen wollen ja, dass der mann das zugpferd ist. irgend jemand muss ja das zugpferd sein. und die zeit hat bewiesen, dass die männer die besseren zugpferde sind. man muss ja nur die löhne anschauen.
dazu sagt der jüngere: ja, aber so direkt darfst du das ja dann nicht sagen, da musst du schon subtiler sein, sonst kommt das auch nicht an. also auch bei der ausbildung sieht man das. es macht eben einen unterschied, ob jemand im militär war oder nicht. das spürt man einfach. jemand, der im militär war, der ist eben ganz anders, der kann mit druck umgehen, das ist nicht so wie bei all diesen, die das gar nicht kennen. und das beziehe ich jetzt nicht auf claudia, aber jede beziehung ist ja wieder anders, und die bedürfnisse sind halt schwierig an die zeit anzupassen.
sagt der alte: meine frau war auch immer beschäftigt, auch ein einzelkind gibt so viel zu tun. das wäre gar nicht möglich, dass sie neben der tochter noch gearbeitet hätte. das muss man schon sagen. ich war ja immer für die familie da. das ist schon wichtig.
dann habe ich mich wieder ausgeklinkt und mich dem salat gewidmet, den ich mir durch meine ausbildung ausserhalb des militärs, die mich gut und hundertprozentig entlöhnt, leisten kann. auch ohne zugpferd. die frage, was denn wohl die natalie heute macht, stelle ich mir nicht mehr.
